Recherchen

Seit 2017 bin ich im Investigativ-Team bei BuzzFeed News und dort Senior Reporter und Deputy Head of News.
Wir arbeiten nicht tagesaktuell, sondern recherchieren in die Tiefe. 

BuzzFeed News gehört in Deutschland zur Verlagsgruppe Ippen, so dass unsere Recherchen auch in der Frankfurter Rundschau, dem Müncher Merkur, der Frankfurter Neuen Presse, der tz, der HNA und rund zwei Dutzend lokalen und regionalen Redaktionen erscheinen.

 

Meine letzte Veröffentlichung:

Er hat die wichtigste Denkfabrik der Neuen Rechten mitgegründet. Er hat dutzende Texte in rechten Medien veröffentlicht. Er wollte, dass „Demographie als Waffe“ begriffen wird, und dass die Bundeswehr sich auf die „Lösung ethnischer Konflikte“ im Inneren vorbereitet. Dann ist er aus der Öffentlichkeit verschwunden. Aiko Kempen und ich haben ihn wiedergefunden – als Professor für Sicherheitspolitik an der Hochschule der Bundespolizei.

 


Hier eine Auswahl meiner Recherchen:

FinCEN-

Files

Korruption, Schwarzgeld, Steuerhinterziehung: Die FinCEN-Files zeigten, wie Banken an kriminellen Kunden mitverdienen.

 

Bei den FinCEN-Files handelte es sich um tausende geheimer Verdachtsmeldungen der US-Finanzaufsicht.

BuzzFeed News hatte die Unterlagen erhalten und mit dem ICIJ und 108 weiteren Redaktionen weltweit geteilt. Mehr als 400 Journalist*innen haben über ein Jahr daran gearbeitet.

Beim deutschen Arm von BuzzFeed News habe ich das Projekt geleitet – und darum weite Teile des Jahres 2020 in den Dokumenten verbracht, mich unter besonderen Sicherheitsbedingungen mit meinen internationalen Kolleg:innen ausgetauscht und unter anderem zur Commerzbank recherchiert. 

OneCoin

Es ist einer der größten Betrugsfälle aller Zeiten: OneCoin. Millionen Menschen weltweit haben daran geglaubt – allein in Deutschland wohl um die 60.000. Sie alle investierten in eine Kryptowährung, die frei erfunden war.

Das Geld ist weg: verschwunden in Luxus-Villen, Yachten, Diamanten und dem organisierten Verbrechen. Und ebenfalls verschwunden: Viele der Köpfe hinter dem Betrug, allen voran die charismatische Gründerin, die "Cryptoqueen".

Wie es so weit kommen konnte, warum die Behörden so lange nichts getan haben und warum eine kleine deutsche Sparkasse lange vor dem FBI und Ermittlungsbehörden aus aller Welt das meldete, was sich nur wenig später zu einem Milliardenbetrug entwickeln konnte, habe ich recherchiert.

 

Stasi-Unterlagen

Mitarbeiter der Stasi-Unterlagenbehörde haben offenbar geholfen, Mitglieder und Funktionäre der größten deutschen Journalisten-Gewerkschaft auszuforschen. Besonders sensibel: Betroffen waren Journalisten und Gewerkschftsvertreter.

Mehr als 1.000 Seiten mit teils privatesten Informationen wurden an die „Bild“ herausgegeben, Unterlagen über 164 Menschen dafür durchleuchtet – rechtswidrig, so eine interne Prüfung der Behörde.

„Die haben sich benommen wie die Stasi 2.0“, sagt ein Anwalt, der die Unterlagen kennt. Der DJV spricht von einer „Aktenaffäre“ und fordert umfassende Aufklärung.

Die Recherche ist eine Kooperation zwischen BuzzFeed News und Übermedien. Für letztere war ich auch zu Gast im Podcast und habe von

der Recherche erzählt.

WWF

Folter, Massenver-gewaltigungen, Mord: In einem auch mit deutschen Steuermitteln geförderten WWF-Projekt im Kongo soll es zu schwersten Menschenrechtsverbrechen gekommen sein.

Dokumente, die BuzzFeed News vorliegen, zeigten: Der WWF weiß seit Jahren davon.

BuzzFeed News hat zwölf Monate lang in sechs Ländern recherchiert und dabei mehr als 100 Interviews geführt sowie tausende Seiten Dokumente erhalten – darunter vertrauliche Memos, interne Budgets und E-Mail-Diskussionen über den Kauf von Waffen. Und weil die deutsche Förderbank KfW sich weigerte, Unterlagen zu veröffentlichen, haben wir sie unter nach dem IFG verklagt.

Untersuchungen des WWF bestätigten später die Vorwürfe, die Naturschutzorganisation sicherte Aufklärung und Besserungen zu.
 

K.O.-Tropfen

K.O.-Tropfen sind in Deutschland nicht verboten, obwohl es hunderte Opfer gibt. Amtliche Statistiken zu GBL und GHB taugen wenig – und so haben die Behörden keine Ahnung, wie viele Menschen damit bewusstlos gemacht oder sogar vergewaltigt werden.

Also habe ich mich mit meiner Kollegin Pascale Müller auf die Suche gemacht. Wir wollten wissen: Wie groß ist das Problem wirklich?

Unsere Auswertung zeigt: Manche Behörden erfassen die Anzahl der Fälle und der Täter. Andere Milliliter, Gramm oder die Stückzahl von Röhrchen. Wieder andere zählen aus, wie viele Gutachten und Proben am jeweiligen Kriminaltechnischen Institut positiv waren. Einen einheitlichen Nenner gibt es nicht. Und damit gibt es auch keine Vergleichbarkeit, keine Statistik, keine Klarheit über die Größe des Problems – und kein Problembewusstsein.

EU & Migration

2018 habe ich ausführlich zur deutschen und europäischen Migrationspolitik recherchiert. So habe ich einen geleakten Bericht veröffentlicht, der zeigte: Die EU vertraut der libyschen Küstenwache nicht.

Ebenso eine bis dahin geheime Antwort der Bundesregierung, die bestätigte: Deutschland ist über illegale Haftanstalten in Libyen informiert. Und einen internen Bericht des Europäischen Auswärtigen Dienstes, der bewies: Deutschland und die EU sind über massive Menschenrechtsverstöße in Libyen informiert.

Nachdem die EU die libysche Küstenwache zu ihrem Partner machte, recherchierte ich deren Nummern für Seenotfälle – und rief dort einfach mal an. Das Ergebnis: Über Tage hinweg war die lybische Küstenwache schlicht nicht erreichbar.

 

Psycho-pharmaka-Missbrauch

Tausende Menschen auf engem Raum, schlechte hygienische Bedingungen, Traumata und mangelnde soziale Versorgung: Die EU-Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln sind seit Jahren in der Kritik.

In mindestens einem solchen Hotspot verteilen Behörden und Hilfsorganisationen Psychopharmaka an Flüchtlinge - ohne angemessene therapeutische Begleitung. Schnell kommt es zum Missbrauch: Für das Präparat "Lyrica" entsteht ein Schwarzmarkt, es gibt Dealer und Flüchtlinge, die befürchten, abhängig zu sein.

Für die Recherche bin ich gemeinsam mit Jennifer Stange auf die Inseln Lesbos und Chios geflogen. Wir haben mit Geflüchteten, Ärzten, Psychologen, NGOs, freiwilligen Helfern, dem UNHCR und den griechischen Behörden gesprochen und uns unter den Bewohnern in den Lagern umgehört. 

Überwachung

Die Polizei hat hunderte Millionen Kennzeichen deutscher Autofahrer erfasst, obwohl die dafür benutzte „automatische Kennzeichenerfassung“ extrem fehlerhaft ist.

Ursprünglich sollte damit organisierte und schwere Kriminalität bekämpft werden. Ich habe recherchiert, ob die Hoffnung aufgeht – mit einem ernüchternden Ergebnis: die Kennzeichenerfassung der Polizei funktioniert nicht.

Demnach liefert die Überwachungs-Technologie regelmäßig Fehlerquoten von weit über 90 Prozent, obwohl sie schon mehr als zehn Jahre lang im Einsatz ist.

Gleichzeitig lassen sich die schweren Verbrechen, für die die Kennzeichenerfassung einst eingeführt worden war, damit offenbar gar nicht ermitteln: Bei den wenigen „Echttreffern“ kommen fast nur vergleichsweise harmlose Delikte wie eine fehlende Versicherung zum Vorschein.

Deutsche Bahn

Ein VW-Autohaus in Slowenien? Eine Firma, die Pappaufsteller verkauft? Eine Polizeischule? Reifenhändler Fahrradläden? All das gehört der Deutschen Bahn.

Gleichzeitig ist sie so hoch verschuldet, wie noch nie.

Die Bahn hält tausende Beteiligungen im In- und Ausland, bezahlt mit deutschen Steuermitteln. Nicht immer haben sie etwas mit dem Geschäft der Bahn zu tun. Ich habe versucht, mich durch das undurchschaubare Geflecht zu wühlen:

Polizeigewalt

Seine Schädeldecke wurde durchschlagen, die Vorderwand der Stirnhöhle, sogar die Hinterwand. In den Berichten wird später nicht nur von einem offenen Schädel-Hirn-Trauma die Rede sein, sondern auch von einem Bluterguß am Hinterkopf. So enorm war der Druck, der mit dem Schlag auf das Gehirn ausgeübt wurde.

2009 besucht Johannes das Schanzenfest in Hamburg. Wenig später liegt er mit offenem Schädelbruch auf der Straße. Er sagt, das war die Polizei – und muss sich darum seit zehn Jahren mit der Justiz auseinandersetzen.
 

G20

Ich war erst einige Tage bei BuzzFeed News, da wurde es direkt ernst: G20 in Hamburg. Weltweit berichteten Medien, fast 500 Polizistinnen und Polizisten seien während der Proteste verletzt worden. Ich wollte es genauer wissen und recherchierte die Verletzten-Statistiken in jedem Bundesland nach.

Das Ergebnis:

Mehr als die Hälfte der Verletzungen meldeten die Polizisten schon bevor der Gipfel überhaupt losging. Zudem waren etliche Verletzungen gar nicht auf die Proteste zurückzuführen.
 

AfD

Als ich über das bislang unentdeckte Video von Alexander Gauland, Spitzenkandidat der AfD, stolpere, wird mir erst beim zweiten Hören klar, was Gauland vor Anhängern da sagt. 

Dass die Deutschen keine Verantwortung mehr für die Verbrechen deutscher Soldaten übernehmen müssten. Und das sie stattdessen das Recht hätten, stolz zu sein – „auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.“

Als ich am nächsten Morgen aufwache, ist mein Handy voller Benachrichtigungen. Israel, USA, UK – weltweit wurde unser Text zitiert.

Interviews, Vorträge, Workshops

 

30.04.2021 – Übermedien: Podcast zur Recherche über die BStU

 

08.01.2021 – Deutschlandfunk Kultur: Rückblick und Ausblick auf das Podcast-Jahr

 

24.09.2020 – Deutsche Welle: TV-Talkshow „Auf den Punkt - Der internationale Talk aus Berlin“ zu den FinCEN-Files-Recherchen

 

06.01.2020 – Deutschlandfunk: Debatte über Kommunikation der Polizei in sozialen Netzwerken

 

29.07.2019 – Deutschlandfunk: Diskussion über das Dunkelfeld im Bereich unrechtmäßiger Polizeigewalt

 

10.09.2018 – Deutschlandfunk: Interview zum sog. "Trauermarsch" Rechtsextremer in Köthen

seit 2018 – Workshop „Zwischen Demos und Polizeiberichten - Wie berichtet man unabhängig und kritisch über die Polizei?“ für Netzwerk Recherche